Pia zeigt mir Dresden – Blogger zu Gast in der Chaos-WG

Ich stehe neben Pia auf dem Balkon und denke an den tollen Tag zurück. Wir waren heute den ganzen Tag lang unterwegs, sie hat mir diese wunderschöne Stadt näher gebracht.

Pia schaut aus ihrem Sitzsack zu mir auf: »Wie gefällt dir die Gegend?«, fragt sie mich.

»Erinnert etwas an einen Knast-Hof«, antworte ich ihr.

Als wir gestern hier ankamen und die Autobahn bei Gompitz abfuhren, erinnerten mich die Plattenbauten im Sonnenuntergang an schicke Hotels. Doch je näher wir kamen, desto trauriger wurde das Bild. Zumindest hier oben, wo die Blocks noch nicht saniert sind. Gorbitz passt überhaupt nicht zu dem Bild Dresdens, das mir die Innenstadt heute vermittelt hat. Obwohl es genau so ist, wie ich mir die ehemalige DDR vorstelle. Grau, Trist, Düster, Langweilig. Irgendwie emotionslos und das genaue Gegenteil der fröhlichen Alt- und Neustadt, der Studentenviertel und der schicken Bauten entlang der Elbe.

Ich setze mich neben Pia auf den Sitzsack und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Wir sind heute schon früh nach dem Frühstück los und mit der Tram zum Hauptbahnhof gefahren. Dort haben wir uns einen Frappucino bei Star Bucks gegönnt. Der Bahnhof wurde erst vor wenigen Jahren zum Einkaufsbahnhof umgebaut. Der Hauptbahnhof ist ganz anders, als ich es von Köln oder München gewohnt bin. Es ist alles so übersichtlich, trotz der Größe des Kopfbahnhofes.

Pia zeigte mir die Pragerstraße, die Dresdener Einkaufsmeile. Wir stoppten bei der Centrum Galerie und machten einen kurzen Abstecher in den Primark. Bisher kannte ich Primark nur aus Köln und Berlin, doch dieser ist anders: Viel weniger überlaufen, viel übersichtlicher. Holen wollte ich mir nichts, also gingen wir weiter. Bei der Sächsischen Eismanufaktur hielten wir kurz an und gönnten uns eine Kugel Eis aus dem unendlich großen Sortiment, das mich schlichtweg überforderte. Viel zu viel Auswahl für mich als Frau.
Wir liefen weiter Richtung Altmarkt. Am Straßenübergang bei der Haltestelle Pragerstraße blieben wir stehen und mir fiel gleich auf, dass die Ampel hier anders war. Hier zierte ein Ampelweibchen das Ampelbild, kein DDR Ampelmännchen, wie an den anderen Kreuzungen.

In der Altmarktgalerie stöberten wir ein wenig in den Auslagen der Läden, ehe wir uns im Viba Café einen gefrorenen Cappucino und einen herzhaften Windbeutel gönnten. Der Blick über den Altmarkt vom Café aus zur Adventszeit, wenn der Striezelmarkt hier stattfindet, muss herrlich sein.

 

 

Nach unserer Pause gingen wir weiter und nun verstand ich endlich, wieso dieser Teil der Stadt als Altstadt bezeichnet wurde. Alte Gemäuer zierten die Gässchen vorbei am Schlosshof, der erst 2005 wieder aufgebauten Frauenkirche, dem Fürstenzug und der Hofkirche. Als wir am Theaterplatz stehen blieben, kam ich kaum aus dem Staunen heraus. Der Zwinger in seiner herrlichen Pracht stand vor uns und erinnerte mich an Versailles. Gleich daneben die wunderschöne Oper, für mich vor allem aus der Radeberger Werbung bekannt. Ich schoss ein paar Fotos und wir wanderten die Elbe entlang bis zur Carolabrücke. Langsam taten meine Füße weh. Wir gingen über die Brücke, mit Blick über die Elbe auf die herrliche Kulisse der Stadt, und erreichten endlich die Neustadt. Vorbei an Alt- und Neubauten liefen wir bis zum Albertplatz, aßen ein Eis am Stiel vor den Brunnen dort und gingen weiter in die Neustadt hinein.

Die Neustadt ist das multikulturelle Zentrum Dresdens. Hier treffen alle Kulturen und Szenen aufeinander.

Die Gassen wurden enger, die Leute fröhlicher. Hier reihte sich Café an Dekoladen, an Eisdiele, an einen Afrikaner, a

n ein asiatisches Restaurant, ans nächste Café, eine Bar, an eine Imbissbude usw. Bei der Kantine No. 2 blieben wir stehen und ich aß die leckerste Pommes in meinem Leben. Es tat wirklich gut, nach diesem langen Marsch, für ein paar Minuten zu sitzen.

Eigentlich wollten wir noch zum Alaunpark laufen, doch langsam schwindete bei mir die Lust. Also stiegen wir in die nächste Bahn und fuhren zum Straßburger Platz. Von hier aus ging es vorbei an der Gläsernen Manufaktur von VW zum Großen Garten. Den wollte mir Pia unbedingt zeigen. Dieser Umweg nach Hause hat sich auch absolut gelohnt. Der Garten, der sich über gut 2 km² erstreckt, ist wunderschön.

Wir liefen die Allee, eingesäumt von prächtig blühenden Bäumen, entlang bis zum Palais in der Mitte des Gartens. Pia führte mich einen Weg links vom Palais entlang, hin zu einem prächtigen Feld aus den schönsten Dahlien, die ich jemals gesehen habe. Pia blieb stehen und schnupperte an einer rosanen Blüte.

»Ich liebe Dahlien«, sagte sie und wies auf das Meer aus Blumen. »Hier komme ich immer hin, wenn ich zu Hause vor Langeweile eingehe oder mein Kopf zu explodieren droht.« Das konnte ich gut nachvollziehen.

Über uns dämmerte es langsam. Wir liefen zurück zur Gläsernen Manufaktur und stiegen dort in die Zwei (Tram) ein, die uns zurück nach Gorbitz bringen würde. Es war ein wunderschöner Tag in einer wunderbaren Stadt, den ich bestimmt noch lange in Erinnerung halten werde.

Hinter mir schaut Micha aus der Tür. »Kommt ihr rein?«, fragt er. »Der Film beginnt gleich« Pia lächelt ihm zu. »Ja«, sagt sie und wir folgen ihm in die Wohnung.